Raus aus dem Haus!

von Ingeborg von Zadow unter der Regie von Barbara Fuchs zeigt, mit welcher Leichtigkeit und Begeisterung spartenübergreifendes Tanz-Theater für die Zielgruppe Kinder ab 2 Jahren funktionieren kann. Eigentlich ein Theaterstück mit einem Text, der fast wie ein Lied anmutet, gelingt es Barbara Fuchs mit der Musik von Jörg Ritzenhoff eine ganze eigene (Bewegungs-)Welt zu schaffen. "Kann man auch im Schlaf tanzen? Ja, das ist möglich, denn das Schlafen muss keine stille Angelegenheit sein. In der Comedia schlafen die beiden Darstellerinne Svenja Niekerken und Laura Virgillito auf mindestens 46 Matratzen und manchmal ruhen sie sogar wie Brotscheiben turmhoch übereinander." Hier wird nicht auf Konventionen zurückgegriffen. Barbara Fuchs entwickelt - mit dem all ihrer Produktionen innewohnenden besonderen Witz - gemeinsam mit ihren Darstellerinnen eigene Bewegungsbilder, deren Charme das junge Publikum mitunter jauchzend in Lachen versetzt. Die Bühnenlandschaft besteht "nur" aus einem variablen System bunter Rechtecke, mit dem sich zunächst das Leben im Haus und dann die Landschaften vor dem Fenster bauen lassen. Eine riesige Kuh entsteht und ein Berg wird auch erklommen. So entsteht eine stilvolle Inszenierung, die ohne weitere Bühnenbildelemente auskommt und in der dennoch mit jedem Bild wieder Entdeckungen gemacht werden können. "Raus aus dem Haus" zeigt eine äußerst gelungene Verbindung von Tanz und Theater für das kleine Publikum.

Fotos

Fotos: ©MEYER ORIGINALS

Premiere: 14.04.2012, COMEDIA Theater Köln
Raus aus dem Haus
Regie. Barbara Fuchs
Mit. Svenja Niekerken, Laura Virgillito
Musik. Jörg Ritzenhoff
Ausstattung. Barbara Fuchs
Autor: Ingeborg von Zadow
Dauer. ca. 30 Minuten
 
Eine Produktion von Comedia Theater Köln in Koproduktion mit tanzfuchs PRODUKTION/Barbara Fuchs
Gefördert vom Land NRW im Rahmen von Workspace

Presse

CHRISTINA GATH, aKT – Kölner Theaterzeitung kurz kritisiert Mai 2012
REIN INS VERGNÜGEN

Ingeborg von Zadows neues Stück "Raus aus dem Haus" wendet sich an ein Publikum ab zwei und hat es auch zum Gegenstand. Regisseurin Barbara Fuchs und ihrem Ensemble gelingt ein (Tanz-)Theater für ganz Kleine, das inhaltlich und formal eine kindgerechte und überzeugende Sprache findet und viel Spaß macht.

"Raus aus dem Haus, rein in den Tag, und gucken!" Die Offenheit und das Vergnügen, mit der Zweijährige energisch in jeden Tag starten, sind sensationell. Einen Einblick in ihre Welt vermittelt Ingeborg von Zadow im Stück "Raus aus dem Haus", das in der Comedia uraufgeführt wurde, und einmal mehr zeigt sich ihr besonderer Blick auf die Kinder, über und für die sie schreibt: genau, humorvoll und voller Sympathie. Zweijährige als Zielgruppe, das ist Neuland für die Autorin und das Theater. Ein Wagnis, das sich lohnt. Der Tagesablauf von Kleinkindern ist der Ausgangspunkt: Schauspielerin Svenja Niekerken und Tänzerin Laura Virgillito spielen die Zweijährigen, an deren realer wie fantasierter Welt kleine wie große Zuschauer für 35 Minuten teilhaben: schlafen, anziehen, essen, Hunger haben, toben und spielen, sich Dinge
vorstellen, miteinander konkurrieren und natürlich plappern. Letzteres empfindet der Text wunderbar in knappen, verspielten Sätzen nach, in denen auch Platz ist für die herrlich absurden Feststellungen, die Zweijährige bisweilen raushauen: "Achtung, vor dir liegt ein aufgegessener Keks!". Bis sich am Ende des Tages alles umdreht, es zurück ins Haus, raus aus den Klamotten und wieder rein ins Bett geht, sind noch reichlich Abenteuer zu bestehen. Die einladende Spielfläche aus quadratischen, bonbonbunten Polstern verwandelt sich, durch Niekerken und Virgillito in immer neue, überraschende Formationen geschichtet, in Betten, Häuser, Türme, Wiesen, Berge, sogar in eine Kuh. Die wird dann auch gleich ein bisschen unheimlich, so groß wie sie ist - finden die zwei auf der Bühne. Auf die große Kuh folgt die kleine Maus, auf einen hohen Berg geht es hinauf und wieder herunter. Regisseurin und Choreografin Barbara Fuchs hat eine rundum gelungene Umsetzung des durch Auslassung, Wiederholung und Reim wie Musik fließenden Textes von Zadows gefunden. Die Bewegungen der beiden Darstellerinnen gründen sich auf Bewegungsmustern von Zweijährigen, sind voller Experimentierfreude und lebendig wie sie: beim Klettern, beim miteinander Balgen, sogar beim Schlafen: alles ist Bewegung. Da hängen mal Arme, mal Beine aus dem Bett, mal ist der Kopf, mal der Po oben, man kann sogar aus dem Bett fallen und weiterschlafen. Das ist sehr lustig und zuweilen beeindruckend akrobatisch. In ihrer Körpersprache ist der ganze, oft widersprüchliche Gefühlskosmos Zweijähriger abzulesen: Unsicherheit und Mut, Unvernunft und Zaghaftigkeit, immer unterstützt durch die stimmige Geräuschkulisse und Musik Jörg Ritzenhoffs. Definitiv ein Stück, das seiner Zielgruppe und den erwachsenen Begleitern gleichermaßen gerecht wird.


THOMAS LINDEN, Choices Kultur in NRW / Tanz April 2012
Mampfende Kühe
Barbara Fuchs präsentiert Tanzstück für junge Theaterbesucher – Tanz in NRW 04/12

Kann man auch im Schlaf tanzen? Ja, das ist möglich, denn das Schlafen muss keine stille Angelegenheit sein. In der Comedia schlafen die beiden Tänzerinnen Svenja Niekerken und Laura Virgillito auf mindestens 46 Matratzen und manchmal ruhen sie sogar wie Brotscheiben turmhoch übereinander. „Raus aus dem Haus“ nennt sich das Stück, das Ingeborg von Zadow für junge Theaterbesucher geschrieben hat und dessen Uraufführung die Comedia jetzt feierte.
Noch im letzten Herbst war an gleicher Stelle Ingeborg von Zadows abstraktes kleines Meisterwerk „Über Lang oder Kurz“ zu sehen. Der Text klingt diesmal wie eine Gedicht oder ein Lied und es ist vor allem die Musik von Jörg Ritzenhoff, die dem Spiel seinen Rhythmus schenkt. Ritzenhoff unterlegt dem Geschehen feine Melodien und Klangfolgen, die wie Strickleitern, die kurzen Szenen miteinander verbinden. Eine durch und durch professionelle Produktion. Nicht weniger originell, als die musikalische Komposition stellt sich die Choreographie dar. Hier wird nicht auf Konventionen zurückgegriffen. Wie schon in ihrer Performance „Kopffüßler“ entwickelt Barbara Fuchs mit ihren Tänzerinnen eigene Bewegungsbilder, deren Charme das junge Publikum mitunter jauchzend in Lachen versetzt.
Die Bühnenlandschaft besteht aus einem variablen System bunter Rechtecke, mit dem sich zunächst das Leben im Haus und dann die Landschaften vor dem Fenster bauen lassen. Eine riesige Kuh entsteht und ein Berg wird auch erklommen. So entsteht eine stilvolle Inszenierung, in der mit jedem Bild wieder Entdeckungen gemacht werden können. Die Freude über das Neue in der Welt - das sich mit dem ersten Sonnenstrahl einstellt und nach neuen Herausforderungen verlangt - bleibt dabei immer spürbar. Die beiden Tänzerinnen haben ihren Spaß, das ist nicht zu übersehen, aber das Hören von Geräuschen, wie etwa das Schmatzen der mampfenden Kühe, schenkt der Inszenierung erst so recht die prickelnde Aufmerksamkeit des Comedia-Publikums.